Sonntag, 8. November 2009



tour haldenstein, tour chur

Donnerstag, 22. Januar 2009

habe bloss angst dass, der account wegen inaktivität storniert wird

Samstag, 12. Januar 2008

melbourne again



Morgens in der Metro: Das glättende Licht der Neonröhren dominiert. Es ist derart unwirklich, dass die Nase nicht einmal mehr ans Riechen glaubt, während die Ohren durch den ermüdenden rhythmischen mechanischen Lärm eingelullt werden. Nur die Augen sind angesprochen. Sie erkunden voller Neugier die plötzlich so klaren und begreiflichen Gesichter der Menschen, ihre Kleider und Haare und Schuhe und Zehen. Und alle sind sosehr auf ihre Augen gestützt, dass heisst, auf ein Sehen als Sein, dass sie ganz vergessen wer sie sonst sind. Und hemmungslos bohrt man mit Blicken in den Gesichtern anderer rum. Ohne jede Verstellung, schutzlos, offenbaren sich gegenseitige begehrende Blicke, während das Ich betäubt auf das Reiseziel wartet.
Aus der Metro in die Stadt um zehn Uhr schon beträchtlich heiss. Es sollte noch 41 Grad heiss werden. Ich stürzte mich nach der langen Einöde in Canberra mit geweiteten Sinnen auf diese Stadt. Ich wollte soviel visuelle, akustische und olfaktorische Sensation wie nur möglich. Und ich begab mich in einen Sinnesrausch der zusammen mit der Hitze fast zu einem Kollaps geführt hätte. Ich musste etwa eine Stunde lang wegen kribbelnden Extremitäten und totaler Erschöpfung aller Filter in mir sitzen bleiben und Wasser trinken.
Die Überdosis Metropole die ich mir zuführte, fühlte sich aber besser an als die letzen leeren Wochen. Ich begann mich als ein Gefäss zu begreifen, dass angefüllt werden muss um sich künstlerisch zu ergiessen. In Canberra blieb mir nichts anderes, als ein leeres Gefäss darzustellen. Was ich ja auch getan habe. Ich bin bloss zwei Filter: einer der die Wahrnehmung filtert und ein zweiter, der die Äusserungen filtert. Dass nennen die Leute Kreativität.

Donnerstag, 10. Januar 2008

melbourne

Jeder, der schon mal am Meer war, weiss wovon ich spreche. Dieser zerbröselnde blecherne Weltaufstrich, der lärmt. Heute ging ich nach Melbourne. Dort verbrachte ich Zeit in der Nationalgalerie um herauszufinden, dass die Briten erschreckend wenig zur Kunst des 20. Jahrhunderts beigetragen haben. Und um hunderte alte Körper zu sehen, die von ihrem wissens- und kulturdurstigen Geist ein Leben lang so hin und her gejagt wurden, dass alles Träge ausgeleiert wurde und nun dem Ruf der Gravitation widerstandslos Folge leistet. Ausser den Rauchern der australischen Intelligenzija, die ihre Haut längst für derbes Leder umgetauscht haben, ihnen hängt das ausufernde Leder wie an engen rotgebrannten Riemen. Damit ich nicht falsch verstanden werde, ich schaue alle diese Menschen gerne und ohne den geringsten Ekel, sondern mit fiel Sympathie an, sie bieten sich nur so verführerisch für eine pointiert böse Vivisektion an.

Danach liess ich die Ennis-Butler Familie wieder nach Inverlock ans Meer fahren, wo sie mich eine Woche lang, ich hätte noch länger bleiben können, ausgehalten hatten. Ich nahm den Zug um in die Vorstadt zu gelangen, wo ich unterkommen sollte. Es ist immer erstaunlich für mich in eine Stadt zu kommen, in der man noch nicht weiss, wo man schlafen kann. Denn eine Stadt ist ein Ungeheuer ohne das Wissen, dass man ihren wilden vibrierenden tausendköpfigen Kern verlassen kann und einen Ort hat wo man in Sicherheit ist. Ich hatte volles Gepäck dabei und darin viele kostbare Instrumente. So beladen und schwitzend unter der Lederjacke, die in kein Gepäckstück passen wollte, war dieser grelle Moloch wie ein einziger schmerzhafter ewiger Schrei. Und vom Schwitzen ganz träge als klebte ich förmlich so in den Häuserschluchten, wie mein Oberkörper in der Jacke, war mein einziger Wunsch: Weg von all den kaltschultrigen, uneinladenden Geschäftstürmen. Raus aus der Autoschlacht und dem Menschengewitter, Gesichter und Lachen und klebriger Gestank.

Ich nahm also den Zug und sah wie aus Melbourne-City über die Stufen EHEMALS INDUSTRIE HEUTE HIP – ARBEITERHAUS SO NAHE AM ZENTRUM, DASS SICH NOCH EIN BANKIER EIN HALBES BEIN AUSREISSEN MUSS – EUROPÄISCHDIMENSIONIERTE STRASSENKRANZWOHNUNGEN UND GESCHÄFTE – WOHNSILOS NEBEN DER BAHNLINIE FÜR DIE SOZIAL GEFORDERTEN eine typisch australische suburbane Parterresiedlung wurde. Ich freue mich auf die anstehende Woche der Erkundung dieser Sechsmillionenstadt die sich über 240 Kilometer Durchmesser erstreckt.

Was mich also in dieser Situation immer so berührt, ist, dass ich einen Zettel in der Hand habe, auf dem Namen und Nummern stehen, die mir noch nichts bedeuten können, und dieser Zettel führt mich in genau eine Strasse aus einer Unmenge, vor genau eine aller Haustüren, in genau eine Wohnung, wo man mich erwartet und willkommen heisst und unterbringt. Während all die anderen Wohnungen mit anderen Nummern und Namen, all die tausenden, deren Myriaden von Stubenlampen am Abend dem Sternenhimmel Konkurrenz machen, mir nichts bedeuten, weil sie mir nicht als Heim offen stehen, obwohl ebenso gute Leute darin wohnen, wie die, die mich aufnahmen.

Samstag, 15. Dezember 2007

Ich hab das Gefühl, heute kann ich wieder schreiben. Diese Schreibstaus halten alle Worte zurück, sammeln sie, stauen sie wortwörtlich und dann wenn alles sprachliche überbordet, wenn Worte in meinem Kopf herumschwirren, wenn sie ohne Grund, zusammenhangslos aus meinem Mund fallen, wenn ich nicht mehr denken kann vor lauter Begriffe, dann auf einmal wird es leicht zu schreiben. Dann kann ein Satz frei entstehen, ohne dass ich mit ihm ringen muss. Ich war also einsam. Ich bin einsam. Das heisst, ich war vorher in einer Art einsam, die mich lähmte und jetzt bin einsam als Zustand. Meine Gedanken beschäftigen sich nicht mehr damit, sondern haben andere Ziele. Natürlich denke ich auch manchmal über den chronischen Mangel an Austausch mit Menschen. Denn das ist es, was meine Einsamkeit ist, es ist nicht das Fehlen von Mitmenschen, überall sind welche: Im Supermarkt stösst man versehentlich gegen sie, auf den Promenaden muss man ihnen Ausweichen, im Bus würde man sie in den Kurven an beliebiger Körperstelle berühren. Ich spreche sogar mit manchen. Über meinen Aufenthalt, wie ich wohne, wo ich wohne, ob es mir bisher gefallen hat, was für eine Art Künstler ich sei und so weiter. Ich denke also manchmal darüber nach, aber so, als beträfe es nicht mich persönlich, sondern einen Menschen. Aber ein Hauptproblem der Einsamkeit bleibt, dass meine Gedanken sich nicht so schnell und gründlich entwickeln. Denn normalerweise entstehen und wandeln oder manifestieren sie sich im Gespräch mit anderen Menschen, im Gedankenaustausch. Meistens ist es ja alles andere als ein Austausch, sondern ein Beharren auf die eigenen Gedanken gegen den Widerstand der fremden und in diesem Verteidigungsakt werden die Gedanken reifer, damit sie sich behaupten können. Manchmal eigne ich mir auch fremdes Gedankengut an. Natürlich heimlich. Augenblicklich waren sie schon immer die eigenen. Das also fehlt. Und das ist etwas vom wichtigsten für mein Leben. Ich kann das nicht mit mir selbst vollziehen, dieses hin und her. Erstens, weil mir da der Ansporn fehlt jemanden zu übertrumpfen. Und zweitens, weil mein Kopf nur meine Ansicht kennt, aber keinen Grund kennt an ihr zu zweifeln, denn die Tatsache, dass es meine Gedanken sind, macht es unwahrscheinlich, dass sie widerlegbar sind.
Also suche ich nun vor allem den Gedankenaustausch. Dieser, so denkt man, müsse auch digital durchführbar sein. Ist er auch, aber unbequem. Denn im Gespräch gehen die Informationen über viele Kanäle wie Augenkontakt, Gestik, Mimik, und das was gesagt wird, und die Betonung der Worte und Sätze, so werden Unklarheiten schneller aus dem Weg geschafft. Und undeutliche Gedankenfolgen verdeutlicht.
Wer kennt das nicht. Wenn man all die Gummibärchen und -früchtchen auf ein Mal in dem Mund nimmt, dann schmeckt man deutlich Gelatine, also das Knochenmehl. Wahrscheinlich weiss nur kaum jemand wie Knochenmehl schmeckt, oder riecht. Ich schliff als 11 Jähriger in einem Steinzeitlager aus einer Kuhspeiche ein Messer. Natürlich taugte es kaum zum Brieföffner, aber das störte mich nicht, hingegen störte mich der dichte fettige unendliche Geruch von dem zerriebenen Knochen. Ich habe das Gefühl, er hätte mich durch das ganze Lager hindurch und noch später verfolgt.

Dienstag, 4. Dezember 2007

Tagebuch letzter Zeit

Ich wurde bei der Besichtigung all der verschiedenen gut ausgebildeten Werkstätten einer Auslegung von Kunst vorgestellt, die ich für grösstenteils ausgestorben hielt. Nämlich, dass handwerkliche Fertigkeiten ähnlich hoch, wenn nicht gleich hoch eingestuft werden, wie intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Inhalt. Es ist schwierig dies zu formulieren, ohne Nicolòs Arbeit dabei vorwegzunehmen. Der Witz ist nämlich, dass wir beide, simultan, die gleiche Einsicht hatten. Dass schweizer Kunst nur Konzeptkunst ist, bei der niemand fragt, ob man es von Hand, mit einer Maschine, oder gar nicht erst selbst gemacht wurde. Ich kam darauf durch den Vergleich zu dieser Kunstschule hier.
(geschrieben vor einiger Zeit)


Warum schreibe ich nicht öfter? Ich weiss nicht. Erstens habe ich ein bisschen Angst unter Berücksichtigung der Faulheit, der in meinen Kreisen so gefrönt wird, dass niemand mit dem Lesen nachkommt. Und zweitens schreib ich nicht so gerne. Es kostet mich immer einige Überwindung zu schreiben, anstatt durch lesen oder anderes an meiner Sprache zu feilen. Ich schulde euch aber das letzte Wochenende und ich will mich nicht davor drücken damit rauszurücken. Ich beginne mit dem, was mir grad als erstes in den Sinn kommt.




Ich bin allein.

Es ist nicht so schlimm. man wird nur komisch mit sich selbst. Man beginnt mit sich selbst eine Beziehung zu führen, sich selbst zu Dingen zu überreden, sich selbst eine gute Nacht zu wünschen. Man wird viel liebevoller mit sich selbst, viel weicher und grosszügiger.

ich glaube, ich muss die fehlende Anerkennung, die meine Jünger sonst in den Raum stellten durch Eigenliebe ersetzen. Ein seltsames Gefühl, dass ich sonst nie hatte. Narzissmus war sonst immer nur die Bereitschaft von anderen geliebt zu werden und es zu fördern. Selbstliebe ist jetzt ganz wortwörtlich. und wenn man sich selbst auf die Schulter klopft, dann umarmt man sich dabei auch gerade. es ist wie Masturbation am ganzen Körper. Selbstbefriedigung.

Das Alleinsein fördert vor allem Neurosen und regt kaum zum Denken an.

Ach ich bin allein. All das habe ich erst jetzt gedacht, da ich es schrieb. und ich schrieb es bloss, damit der Satz "ich bin so allein" nicht so allein da stand.



Das ist ein Ausschnitt aus meinem Tagebuch. Gestern Abend war auch seltsam:

Wahrscheinlich ist es nichts. ich will dich auch nicht unnötig beunruhigen. aber da war ein lautes wiederholtes Krachen unten im Haus, dass die Wände bebten. ich stand im Dunkeln auf um aus dem Fenster zu schauen ob man etwas sehen könne. Ich sah nichts. Dann wurde es mucksmäuschenstill. Dann hörte ich nach einiger Zeit der vollkommenen Stille wie jemand das Dach ob meiner Wohnung bestieg. dann wieder Ruhe. Dann hörte ich wie ein grosser Lastwagen in stetiger Beschleunigung weg oder hinfuhr. Dann wieder nichts.
Wie gesagt. der erste Knall war laut und bestimmt keine Einbildung aber das mit dem Dach scheint mir nun sehr abwegig. Wäre ich ein versteckter Nazi oder ein CIA Agent, dann würde ich mir jetzt in die Hosen scheissen.
Mein vorläufiges Testament für den unwahrscheinlichen Fall das ich diese Nacht nicht überlebe:
[...]
Es war mir ein Vergnügen unter euch zu wandeln

Gut. Da ich nun all meine werdenden geistigen Irren kundtat zu etwas erfreulicherem:
Samstags war ich allein. Ich las ein bisschen zu viel und wollte dem Haufen Information bei einer Tasse Kaffee beikommen. Als ich meine Wohnung verliess waren überall Leute. Sie belagerten die Treppe die von meiner Wohnung nach unten zur Galerie führt, sowie alle Gänge im Haus. Ich erkundigte mich natürlich bei der schönsten unter ihnen was der Anlass sei: Eine Vereinigung – vielleicht die Vereinigung, darauf komme ich noch – von christlichen Studenten aus allen Universitäten Australiens belagert für fünf Tage den Campus der Hauptstadt.
Man sieht und riecht diese Art von Christen von weitem, ich weiss nicht ob das euch schon mal aufgefallen ist? Ich war jedenfalls schon ziemlich sicher, dass es Christen wären, bevor ich hinging um zu fragen. Ich liess mich nicht beirren und suchte weiter nach meinem Kaffee aber als die Aussicht darauf schrumpfte, in der Schnelle einen zu beschaffen, weil alle Kaffees auf dem Campus geschlossen waren, da wollte ich mir das Verlassen meiner Wohnung damit lohnen, dass ich mich etwas über diese Christenschar informierte. Ich richtete mich also an zwei, die sich mit gelben T-shirts mit dem Aufdruck „National Training Event (NTE) 2007 'God's Word to God's World'“ als Führungskräfte zu erkennen gaben. Gods Word to Gods World lässt ja keine Fragen offen zum Thema Toleranz zu anderen Religionen. Denn Gods Word steckt ausschliesslich in ihrer Bibel und mit Gods World ist wohl nicht nur ihr Vorgarten gemeint. Was mich aber wunderte, war, ob sie eine gewisse Toleranz unter den unterschiedlichen Auffassungen von Christentum zuliessen. Schliesslich sind das ja Studenten, bei denen ein gewisser Horizont hoffentlich vorausgesetzt werden kann, der fundamentalistischen Auslegungen etwas vorbeugen sollte. Nichts dergleichen. Ich traf auf die hardcore missionswütigen, wortwörtlichen Bibelbefolger. Christentum als Lebensaufgabe. (Aufgabe wie in das Handtuch werfen). Und das waren nicht wenige. 1200 davon liefen umher. Diese Sorte Christen geht übrigens ganz eigen: Fast alle haben eine sehr schlechte Haltung, mit Buckel. Das rührt bei Manchen vllt daher, dass sie so ehrfürchtig sind vor gottes Werk. Bei Anderen liegt es wohl eher am fehlenden Selbstvetrauen und Willen das eigene Leben zu führen, was wohl den Grund stiftete diesem herzlich warmen und fürsorglichen Verein überhaupt beizutreten, der besser weiss, was gut für dich ist, weil er es wortwörtlich aus der Bibel entnehmen kann. Sie laufen aber dennoch mit einer gewissen Bestimmtheit; als wären sie kleine Schulkinder bei den ersten Schritten zu einer grossen Wanderung; mit einem ständigen Bewusstsein dafür was sie gerade tun und dass sie es christlich tun. Dazu haben sie schlechte, ausgewaschene oder fettige Haare. Das, wahrscheinlich, weil sie sich teuflisch eitel vorkämen, wenn sie sich ab und zu kritisch im Spiegel betrachteten. Das gilt natürlich nur für den Teil, der die Gläubigkeit nicht heuchelt. Ich diskutierte also mit diesen Christen über mögliche und unmögliche Auslegungen von Christentum und dabei lief ich mit ihnen mit. Bis zu einem Konferenzzentrum, das all die willigen Schäfchen fasste. Dann wurde gesungen zu Schmuddelrock der von einer Band kam, die sich wie eine normale Band benahm mit all den Macho Gebärden die rockig sind und all den losen langen Haaren. Ich kann mich noch lebhaft an eine Stelle erinnern. Sie baten um Kraft, um Gottes Willen blind ausführen zu können. Auch gegen allfällige Einwände des schwachen Verstandes. Die Dicke neben mir sang es mit soviel Wucht und Inbrunst in die Halle, die so voll war von dem glitzernden Dröhnen, dass mich eine Riesige Angst durchfuhr vor diesem blinden Christenwillen, der leuchtende leere Augen hat und der so laut schreiend auf tierischen Körpern thront; die gleichförmig hin und her wippen. Die Predigt von Peter Adams bestand, ausser ein paar selbstgefälligen Sprüchen, im Wesentlichen daraus, dass er Stellen der Bibel zitierte, die dazu aufriefen die Bibel wortwörtlich zu verstehen. Wobei ich mit Genugtuung in meiner Bibelversion las, die mir Einer netterweise zuschob, dass das Wort „Wort“ in den zitierten Stellen meist anders übersetzt war, als „Rede“ zum Beispiel oder als „Gespräch“.
Immer wenn ich unter solchen Christen bin, befallen mich seltsame, dämonische Gelüste, wie zum Beispiel diese zahmen gelockten Marias zu beflecken. Ich musste darüber mehr als einmal schmunzeln.